medio in viridio

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IX.  HORTI  POLLIONIS
Die Gärten des Pollio

Wie jede römische Villa besaß auch die Villa des Pollio einen Garten. Allerdings bestanden die antiken Gärten sowohl aus landwirtschaftlich genutzten Ertragsflächen wie auch aus Parkanlagen. Wenn Statius etwa die Weinreben des Pollio besingt, so meint er jenen Teil des hortus, in dem der Weinberg und die Olivenplantagen lagen. Direkt vor der Villa indes befand sich das viridium mit seinen Ziergärten und Spazierwegen, die nur dazu dienten angenehme Zerstreuung unter ausreichend Schatten zu finden. Natürlich war auch hier die Domestizierung der Natur ein Thema: Die Bezähmung des Wilden und Ursprünglichen, das durch das Joch der Gartenkunst in eine Form gepresst wurde, die nur noch den Regeln ihres Besitzers folgen durfte.

Die Gärten des Pollio erstreckten sich von der Villen-Ostwand bis an die Römerstraße nach Sorrent. Ursprünglich dürfte dieses riesige Areal sehr felsig, von dichtem Pinienwald bewachsen und von Macchiabüschen überwuchert gewesen sein. Zudem fällt das Gelände in mehreren Stufen steil nach Westen hin ab. Diese Fläche zu bändigen, indem man sie mit Mauern umfasste, den ursprünglichen Baumbestand rodete und die frisch aufschütteten Erdflächen systematisch neu bepflanzte, muss schon für antike Landschaftsgärtner eine große Herausforderung gewesen sein.

Im Gegensatz zu den Gärten der Gegenwart kannten die antiken Grünflächen keine Blumenrabatte. Zwar waren bunte Blütenblätter bei römischen Festen sehr begehrt und folglich das Produkt eines ganzen Wirtschaftszweigs, der tonnenweise Blumen in riesigen Plantagen heranzog. In den Gärten reicher Privatleute aber fand man sie nur selten. Viel wichtiger war ein ausgeklügeltes Wegesystem, das die Bewirtschaftung der landwirtschaftlich genutzten Flächen und das Wandeln zwischen Ziersträuchern und Bäumen auch im Schatten ermöglichte. Zwischen den Wegen standen oft kleine Zierbrunnen und Marmorstatuen, Bänke und Stufen luden zum Verweilen ein. Und natürlich brauchte man für die Anlage und Bewirtschaftung solcher Gärten fachkundiges Personal. So dürfte auch Pollio neben den Pächtern, die seine Wein- und Olivenplantagen bebauten, mindestens zwei hortulani beschäftigt haben, die sich ausschließlich mit der Pflege und Instandhaltung seines Gartens befassten.